Nachdem du von der Arbeit heimgekehrt bist, gehst du eventuell noch einkaufen, vielleicht auch nicht, du hast ja die Wahl. Du tust es, stehst im Supermarkt deiner Wahl, wo du dich entscheidest zwischen verschiedenen Produkten der Lebensmittelindustrie. Du bezahlst deine Einkäufe mit dem Geld, das dir der Träumer für deine Lebenszeit in seinem Traum aushändigte. Du benutzt, um heimzukommen, sein erträumtes Fahrzeug, das du dir ebenfalls mit Lebenszeit in der Traumfabrik erworben hast. Deine Traumwohnung steht auf einem Grundstück, das laut Gesetz dem Träumer gehört, du hast deine Abende darin mit Lebenszeit in der Fabrik erkauft. Du isst die Nahrung des Träumers, während du dich im Fernsehen informierst, was du sonst noch von ihm brauchst. Du gehst früh zu Bett, um am nächsten Tag ausgeruht zu sein, ein neuer Tag im Traum des Träumers.
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Du lädst deine Waffe durch. Es ist schwül, frischer Schweiß rinnt unter deinem Kampfanzug an dir herab. Vor dir, auf einer Lichtung im Dschungel, befindet sich das Camp des Gegners, ein befestigtes Lager der Regierungstruppen. Deine Genossen erwarten deinen Angriffsbefehl, sie kauern neben dir im Unterholz, junge Männer und Frauen, die den Traum deines Idols vom bewaffneten Widerstand teilen. "Lehnt euch auf gegen die Unterdrücker!", hat er gesagt. "Keine Gnade". Laurene, deine Gefährtin, schaut dich mit entschlossenem Blick an, sie ist bereit. Du ebenfalls. Als du mit einem schrecklichen Schrei losstürmst und deine Truppe aus dem Dschungel hervorbricht, bist du dir sicher, das Richtige zu tun. Es gibt keinen Zweifel, das Idol hat es treffend beschrieben: "Lieber tot als unfrei".
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Das leere Gebäude in dem stillgelegten Industriegebiet ist seit geraumer Zeit das, was du dein Zuhause bezeichnen würdest. Wie lange du dich hier schon aufhältst, weißt du nicht, es spielt keine Rolle. Die Kerze vor dir auf dem Betonboden, auf dem du sitzt, spendet genug Licht, um das zu tun, was zählt. Du suchst deinen vernarbten Arm ab nach einer geeigneten Stelle für die Nadel. Ist es deine Nadel oder die eines Anderen? Es spielt keine Rolle. Nichts spielt mehr eine Rolle, seit du den Traum der Droge lebst, von dem du früher höchstens gehört hast, von dem du vielleicht in der Zeitung als kurze Statistik gelesen hast. Früher, in einem anderen Leben, an das du dich kaum mehr erinnerst als an einen fernen Traum, den Traum eines Anderen.
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Die Fensterfront vor deinem Schreibtisch bietet einen grandiosen Ausblick vom zwölften Stock aus auf die Stadt. Der Traum der Macht ist für dich in Realität geworden. Auf dem Bildschirm deines Rechners blinken die Zahlen der Quartalsabrechnung. Die Zahlen sind eindeutig: Die harte Arbeit der letzten Jahre, all die Opfer, die du brachtest, haben sich ausgezahlt. Es war nicht immer einfach, aber mit eisernem Willen und dem Ziel vor Augen hast du es geschafft. Die Menschen, die du ausbeuten musstest, die Existenzen, die du zerstört hast, die Konkurrenten, die du ausgestochen hast, manchmal erscheinen sie dir im Schlaf, aber immer seltener. Angesichts der Erfolge deines Unternehmens blicken deine Untergebenen zu dir auf, du bist ihr Vorbild, unerreicht und von Erfolg gekrönt. Als du damals dein Studium beendet hast und die Unternehmen dich wegen deiner Leistungen an der Universität hofierten, war der Dunst der Macht bereits spürbar. Jetzt atmest du ihn, du bist die Verkörperung der Träume aller, die nach Einfluss streben.
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Selten kommt es vor, dass du einen Wunsch deines Mannes nicht bereits vor ihm selbst kennst. Seit ihr euch kennen gelernt habt bist du immer besser darin geworden, seine Wünsche zu erkennen. Er ist es, den du dein Leben lang gesucht hast: Ein Fels in Brandung deiner Emotionen, einer, der weiß, wie das Leben zu spielen ist. Er gibt dir Sicherheit und Geradlinigkeit, du verehrst seinen Tatendrang und kannst dir ein Leben ohne seine starken Schultern, an die du dich anlehnen kannst, kaum mehr vorstellen. Ihr seid in diese Stadt gezogen, weil es seine Karriere erforderte, habt diese Wohnung gekauft, weil sie ihm gefiel. Du hast bei allem eingewilligt, weil du weißt: Seine Urteilsfähigkeit ist es, die deine eigene Schwäche ausgleicht. Ohne ihn wärst du verloren, ein Nichts, haltlos.
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Die Radieschen sind dieses Jahr früh dran, du holst eines aus der Erde und beißt hinein. Der starke Geschmack ist überwältigend. Schmatzend blickst auf das Beet, welches zum Schutz vor den Schnecken von einem schmalen Wassergraben umgeben ist. Hinter dir steht der alte Ziegenstall, den du vor einiger Zeit von Sergé, dem Erben des Bauernhofs, zum Wohnen Überlassen
bekommen hast. Sergé lebt in der Stadt, das Leben auf dem Land hatte für ihn keine Perspektive, und er war zwar verwundert, als du ihn mit deinen stümperhaften Spanischkenntnissen gefragt hast, ob es ihm recht sei, wenn du hier leben würdest, aber gleichzeitig war er froh, dass sich jemand um sein Land kümmern wird, während er sein Glück in der Stadt sucht. Den Stall hast du sauber gemacht und das Dach mit Blättern von Bananenpalmen abgedichtet, drinnen ist es trocken, und der Geruch der vorherigen Bewohner hat dich noch nie gestört.. "Zeit zum Gießen" sagst du leise zu dir selbst, als du kehrt machst und mit ein paar Plastikkanistern zur Quelle hinab gehst.
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Wir alle leben unseren Traum, manchmal auch den eines Anderen, ohne es zu merken..
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